Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Sprachpflegerin.

Aktualisiert: 1. Juni

Mein Traumberuf war Tierärztin. Als Kind wollte ich immer mit Tieren arbeiten. Doch erstens kommt es immer anders, und zweitens als man denkt. Hätte ich vor fünf Jahren geahnt, dass ich neben meiner Familie noch ein eigenes Business haben werde? Ganz klar nicht. Nein, ich hätte laut gelacht und gesagt: «Träume weiter, Sabrina.»


1) 21.02.1988: Schweizer Pass mit südländischem Temperament Geboren bin ich in Winterthur, aufgewachsen in Neftenbach, auf dem Land. Schon als Baby konnte man mein Temperament spüren, respektive hören. Sogar durch Mauern und über Strassen. Vielleicht lag das an meinen Wurzeln: Voller Stolz erzählte ich in der Schule, dass ich halb Italienerin sei. Dass ich nie Italienisch gelernt habe, fand ich immer sehr schade.


2) 01.08.1994: Freude in der Schule Anders als andere Schüler*innen ging ich immer sehr gerne zur Schule. Ich mochte es, Buchvorträge zu halten und Aufsätze zu schreiben ... und erlaubte meinen Freundinnen, mir bei den dictées abzuschreiben. In der Sekundarschule übertrieb ich es jedoch: mein Vortrag über die Anarchie dauerte geschlagene vier Lektionen. Damals wusste ich noch nicht, was didaktische Reduktion bedeutet.


3) 01.07.1996: Ein seltsames Geschenk Von meiner Tante Meta erhielt ich ein Tagebuch, das mich durch meine ganze Schulzeit begleitete. Weil ich zu Beginn keine Ahnung hatte, was ein Tagebuch ist, schrieben wir den ersten Eintrag zusammen: Es ist ein schöner Abend. Der Mond scheint. Es ist Vollmond. Auch später, bis ins junge Erwachsenenalter hinein, schrieb ich mal häufiger und mal weniger häufig Tagebuch.


4) 01.08.1998: J'adore le français Ab der 5. Klasse hatte ich (endlich) Französisch bei Jürg Käser. Dank seinen coolen Liedern und seiner Freude an der Sprache lernte ich unglaublich gern Französisch. Jahrelang benutzte ich die selbst gebastelte Karteikärtchenbox (aus Schoggitaler-Schachteln). Ganz unbeteiligt am Interesse an der langue d'amour war meine bereits erwähnte Tante Meta übrigens auch nicht: sie war Französisch- und Lateinlehrerin.


5) 01.08.2003: Warum nur gibt es Mathe, RW und BWL? Während meiner Lehre als Kauffrau bei den Vaudoise Versicherungen merkte ich bald, was mir überhaupt nicht lag: eigentlich alles ausser die Sprachen. Ich plagte mich geschlagene drei Jahre durch die Berufsmatura und musste dabei auch lernen, mit Motivationstiefs umzugehen. Der obligatorische Sprachaufenthalt in Toulon war für mich ein Highlight.


6) 01.08.2006: Tapetenwechsel in der Westschweiz Mein Drang, mit 18 endlich für mich alleine zu sorgen, erfüllte sich nach meiner Lehre. Ich machte einen Stage in Nyon. Ich lernte viel über die Mentalität der Romands, den guten Wein, das köstliche Essen und lernte nette Leute kennen. Es gefiel mir dort so gut, dass ich geblieben wäre, wenn ...


7) 01.08.2007: Die Liebe führte mich back to the roots ... mir mein heutiger Ehemann nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Er lebte damals mit meinem Cousin in einer WG in Winterthur. Also zog ich ebenfalls dahin ... nur ein paar Strassen weiter. Die französische Sprache vermisste ich jedoch schon und wollte sie im Beruf auf jeden Fall einsetzen.


8) 22.08.2008: Sprachaufenthalt entfacht erneut die Faszination an Sprachen Ich war jung und wollte noch etwas von der Welt sehen. Erneut zog es mich wieder in die Ferne. Diesmal für vier Monate nach Màlaga, wo ich im Malaca Instituto mein Spanisch verbessern konnte. Und tinto de verano geniessen konnte. Qué rico!

Frau, im Hintergrund Màlaga
Sprachaufenthalt Màlaga

9) 01.09.2010: Die Suche nach dem passenden Studium Nach einem ganzen Jahr 100 % arbeiten (übrigens mein einziges) merkte ich, dass mir etwas fehlte. Ich hatte eine Selbstfindungsphase und musste herausfinden, ob ich Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder etwas mit Sprachen studieren wollte. Ich erkannte, dass ich mein Hobby zum Beruf machen wollte. Also begann ich mein Studium an der SAL - Schule für Angewandte Linguistik in Zürich. Damals war mir noch nicht klar, wie lange es dauern würde.


10) 01.02.2013: Und ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen Mit einem Praktikum bei der AOZ begann meine berufliche Laufbahn als Deutschlehrerin in der Erwachsenenbildung. Ich lernte Nationalitäten, Bräuche, Schicksale kennen, die mich in meinem Vorhaben bestärkten. Jetzt war ich in meinem Beruf angekommen.

Lehrerin mit Deutschklasse
Meine erste Deutschklasse an der AOZ

11) 01.06.2015: Ein langer Weg, der seine Mühe wert war Als ich schon fast nicht mehr daran glaubte, mein Studium neben Teilzeitarbeit im Büro und bei verschiedenen Sprachschulen abzuschliessen, schaffte ich es nach gut fünf Jahren! Endlich. Jetzt konnte auch geheiratet werden. Ja genau, alles schön der Reihe nach.

12) 05.09.2015: Mein Traum geht in Erfüllung Unter freiem Himmel mit einer freien Traurednerin gaben mein Mann und ich uns das Ja-Wort. In den folgenden Jahren durften wir drei wunderbare Kinder in unserer Familie willkommen heissen. Bei der Namensfindung nahmen wir (natürlich) das Vornamenlexikon von Duden zu Hilfe.

Brautpaar vor Hopfenfeld, Kartause Ittingen
Hochzeit 05.09.2015

13) 01.10.2017: Mami mit Job Neben meinem Mami-Alltag brauchte ich einen Ausgleich. Deshalb arbeitete ich als Deutschlehrerin, Prüfungsexpertin für Deutschtests wie telc oder KDE und als Dozentin. Natürlich ist es streng. Natürlich auch organisatorisch nicht immer einfach. Aber genau diese Abwechslung macht mich glücklich.


14) 12.01.2021: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion Firma gegründet Heute konzentriere ich mich darauf, was mir am meisten Spass macht: die Kombination von Familie und Beruf. Ich kann meine Zeit frei einteilen, wenn ich Bachelor- oder Masterarbeiten korrigiere. Privatlektionen können online gehalten werden. Workshops für Babysprache zuhause bei den Kunden. Mein Mann unterstützt mich bei diesem Vorhaben ... und so entstand die Sprachpflege.

Sabrina Keller mit einem Buch in der Hand
Inhaberin Sprachpflege Sabrina Keller

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