Rechtschreibung und ich – (k)eine Liebesgeschichte

Das Blogging-Fieber hat mich wieder erwischt! Während meiner Pause lese ich von Kerstins Blogparade. Passt doch perfekt! Sitze ich doch gerade am Lektorat einer Masterarbeit.


Ohne gross um den heissen Brei zu reden: ich liebe Rechtschreibung! Okay, das klingt jetzt für den Einen oder Anderen vielleicht etwas komisch, gruselig oder sogar gestört, aber ja. Mein Business heisst nicht ohne Grund Sprachpflege.


Es ist ganz klar eine Liebesgeschichte

Ich liebe es, Texte zu korrigieren.

Ich liebe es, Gross- und Kleinschreibung zu erklären.

Ich liebe es, zum hundertsten Mal nachzulesen, wie die Regel zur Getrenntschreibung von Verben lautet.

Ich liebe es, elend lange Komposita zu bilden.

Ich liebe es, Rechtschreiberegeln mit einer Prise Humor zu erklären.

Ich liebe es, bei der Flyer-Korrektur vom Familienverein über die Länge der Bindestriche zu diskutieren.

Ich liebe es, bei Infinitivsätzen zu überlegen, ob nun ein Komma obligatorisch oder fakultativ ist.

Ich liebe es, wissenschaftliche Arbeiten zu lektorieren.

Frau mit Heuer
Am liebsten suche ich die Regeln im Heuer raus.

Warum denn so emotional?

Ich glaube, dass uns die ersten Schuljahre in Bezug aufs Lernen und unsere Motivation extrem beeinflussen und prägen. Wir lernten in den 90ern von Anfang an korrekt zu schreiben, wurden mit dem roten oder grünen Stift korrigiert, mussten Diktate, Aufsätze und Sträfzgi schreiben. Das alles hat mir nicht geschadet. Ich habe schon immer gern geschrieben. Die Ideen für die Aufsätze kamen mir nicht vorher, sondern während dem Schreiben. Heute kann ich sagen: Ich war im Flow. Meine Banknachbarn durften mir bei den Diktaten abschreiben, was mich stolz machte. Ich pflegte Brieffreundschaften, die irgendwann (leider) als Monolog ein Ende fanden.


Achtung, das ist die neue Rechtschreibung!

Heute noch höre ich immer wieder Aussagen wie: «Das schreibt man jetzt übrigens anders. Wegen der neuen Rechtschreibung.» «Hui, Gemse ist neu Gämse. Da muss man sich erst noch daran gewöhnen.» «Schifffahrt ... mit drei F?!» Ich könnte noch viel mehr Beispiele bringen. Aber worauf ich hinaus möchte: Wisst ihr eigentlich, seit wann diese neue Rechtschreibung, also die Rechtschreibreform, in Kraft ist?


Seit 1996!!! Im Jahr 2004 wurden noch einige Regeln angepasst und im Jahr 2006 gab es umfangreiche Änderungen des Regelwerks.


Wozu braucht es überhaupt Rechtschreibung?

ja, in den mails habe auch ich früher alles klein geschrieben. und whatsapp-nschrichten schreibe ich sowiedo auf schwizerdeitsch ... und wenn msn sich vertippt, ist es js nicht spooo tragisvh. hsuptsachröe, dee empfänger verdteht die nschricht.


Nun aber mal Hand aufs Herz. Es ist doch viel angenehmer, einen richtig geschriebenen Text zu lesen. Der Empfänger fühlt sich ernst genommen und geniesst es, die Nachricht zu lesen. Und zu guter Letzt können dank der Gross- und Kleinschreibung und der Kommasetzung Missverständnisse verhindert werden.

Fehlerkorrektur - ja oder nein?

Lernen die Kinder in der 1. Klasse lesen und schreiben, sollten sie die Motivation auf jeden Fall behalten. Ihr Selbstvertrauen soll gestärkt, die Freude an der Sprache gefördert werden. Fehler werden anfangs nicht korrigiert. Doch irgendwann eben schon. Erst dann wird vielen Schulkindern bewusst, dass es Rechtschreiberegeln gibt. Und dann beginnen häufig die Schwierigkeiten, die Motivation schwindet, die Eltern sind irgendwann mit ihrem Latein am Ende ... und alles, weil sich die Fehler während ein paar Jahren eingeschlichen haben und nicht korrigiert wurden.


Es ist mir als Deutschlehrerin bewusst, dass es einen Sinn dahinter gibt. Dennoch handle ich anders. In meinen Kursen werden als Motivation die korrekten Wörter angestrichen. Also alles, was richtig geschrieben wurde, ist farbig. Bei Fehlern schreibe ich mit Bleistift die Korrektur über das entsprechende Wort. Mir ist es wichtig, dass von Anfang an korrekt geschrieben wird.

Text und Stift
Fehlerkorrektur im Deutschunterricht. Ein umstrittenes Thema.

Was für ein Gefühl löst die Rechtschreibung bei dir aus?

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